Arnd Dünnebacke

 

Arnd Dünnebacke, Jahrgang 1976, ist geboren und aufgewachsen im Sauerland. Nach Bäckerlehre und sedierenden Selbstversuchen erste literarische Ambitionen. Bewegt sich seitdem als Faktotum durch die bundesrepublikanische Arbeitswelt und seit 2005 durch Hanau. Der Rest findet sich.

 

Acheron Verlag fragt Arnd Dünnebacke;

 

Was ist Glück für Dich?

 

Glück ist was ich empfinde, wenn ich einen in die Fresse kriege und danach
feststelle, dass die Sonne trotzdem wieder aufgeht. Wahrhaftiges Glück hat halt auch
immer was mit Vorkasse zu tun.

 

Und die ist in Deinem Fall …?

 

Mein freier Wille in den Ketten der Leidenschaft, den einen, perfekten Satz zu
suchen. Und vielleicht eines Tages zu finden.

 

Was reizt Dich gerade an Gedichten?

 

Die Möglichkeit, mit wenigen Worten einen Schlüssel zu einem ganzen Universum zu
formen. Außerdem helfen sie mir mich zu erinnern, auch da, wo jeder vernünftige
Mensch lieber vergessen würde. Gedichte entsprechen einfach meinem Naturell, wie
eine Motte von Licht zu Licht zu schwirren, obwohl ich mir den Arsch dabei schon
mehr als einmal verbrannt hab.

 

Mit wem würdest Du gerne mal eine Nacht durchzechen?

 

Zusammen mit dem alten Bukowski, dem jungen Heine, Rimbaud und Beethoven. Und
Remarque besorgte den Absacker – halb Rum, halb Port.

 

Als wer oder was könntest Du Dir vorstellen wiedergeboren zu werden?

 

Als ich selbst, vielleicht mal im Körper einer Frau. Oder als Eintagsfliege: Geburt,
Sex, Tod – alles an einem Tag. Die geballte Ladung eben.

Und wer, wünschst Du Dir, sollte bis dahin Deine Gedichte lesen?

 

Alle die nie aufhören zu suchen und die, die glauben, schon alles gefunden zu haben.

 

 

Das Ich vom Ich

Könnt ich noch einmal zurückgeh’n
und alles von vorne beginnen,
ich müsste bloß wieder zuseh’n,
wie die Jahre vor mir verrinnen.

Und ich machte dieselben Fehler,
vielleicht jetzt nur anders herum –
ich wär wieder zur rechten Zeit klug
und zur falschen noch ebenso dumm …

Fragtest du mich nach einem Ziel,
ich würde dir dieses nennen:
Fähig zu sein, die Welt nicht mehr
durch gut und schlecht zu trennen.

Denn so wie ich die Welt lieb,
so liebe ich wohl auch mich;
denn das, was mir die Welt gibt,
das kommt aus meinem Ich,

und ist immer ein anderes Leben,
und jeden Tag anderes Ich;
ich schlafe ein, ich kehr nicht wieder,
ein Fremdes findet mich

als Summe aller Tage,
was mein Innerstes umkreist –
doch alles, was ich wissen muss,
ist zu vergessen, was ich weiß …