Andreas Prautsch

Andreas Prautsch
Diplomphilosoph,
Jahrgang 1960, Berlin
aprautsch@arcor.de

www.aprautsch.de

 

 

Acheron fragt Andreas Prautsch;

Wem würdest Du Dein letztes Hemd geben?

Ich würde ein bedürftiges Kind lehren zu bitten, wenn es etwas braucht und zu
danken, wenn es etwas bekommt. Danach würde ich diesem Kind das Hemd schenken.

Was ist schwieriger, etwas Anfangen oder etwas Beenden?

Etwas zu beginnen ist für mich herausfordernder, weil die ganze Philosophie im
Anfang stimmen muss, dann mache ich mir über den Weg und das Ziel wenig Sorgen.

Du findest einen 50 Euro Schein – was machst Du damit?

Ich kaufe Lebensmittel und schenke sie den Bedürftigen einer Sozialstation.

Wem hören Sie gern zu?

Ich höre jedem gerne zu, wenn er sich persönlich, aufrichtig, neugierig und Nähe
suchend an mich wendet.

Worüber hast Du Dich zuletzt gefreut?

Ich habe mich über den Satz eines Arbeitsvermittlers gefreut, der mir sagte: “Sie
haben schöne Gedanken”.

 

Andreas Prautsch – T e x t e (Auswahl) u.a. erschienen im “Drei-Kastanienverlag Wittenberg” die mit anderen Autoren in einer Anthologie       (Lyrik & Prosa) 1999 unter der ISBN 3-933028-27-2 veröffentlicht wurden).

 

Bestimmung

 

Am Ende des Tunnels ist Licht, sagt man und kriecht und hofft und schwitzt und schlägt sich durch. Man hat ja ein Ziel vor den Augen. Bestimmung! Und plötzlich: Dunkel! Menschen kriechen uns entgegen. Ihr Ziel – Unser Anfang?

 

Jahreswechsel

 

Das Jahr bricht auf, wie eine reife Frucht. Mit jedem Stundenschlag ein neues Korn für eine neue Saat. Ein letzter Schrei flammt auf, mohnrot und schwer, hoch oben im Äther. Von da kommt Kühle und morphine Ruh. Die Schwere küsse ich von Deiner Stirn und wünsche flüsternd: Reiche Ernte!

 

Schneewittchen (Wende: 1989)

 

In den Wald bin ich freiwillig gegangen. Die Jäger rennen bellenden Hasen nach. Die Zwerge machen ihrem Namen Ehre. Und siehe: Der Riese in mir bäumt sich auf und zwingt mich zur Umkehr in mein Königreich. Dort werde ich die Königin zur Rede stellen.

 

Fließendes Grün

 

Fließendes Grün im Wechsel von Schatten und Licht. Mondlicht – Lichtwechsel – Wechselspiel. Die Pappeln winken und schlafen nicht. Irgendwo an der Grenze von Möchte und Muss fallen die leinenen Tücher. Die leichten Lügen fallen im Kuss.

 

 

Mohnfeld

 

Mohnfeld, Mond, der Duft frischen Lebens summt in den Händen. Weichheit, Mund, der Stimmbruch des Lebens bricht sich an Wänden. … und Du, im Mohnfeld, zwar noch kein Mann, doch längst nicht mehr Kind, fragst, ob wir Liebende sind.

 

Honigduft

 

Sturm verbraust, alles ist wieder, wie es immer ist: Donnerhall und Glimmer, ein stilles Lächeln der Macht. Haar zerzaust, Seele kniet nieder, bis sie Erde frisst. … und überm Tal ein lockender Schimmer? So wachen wir auf des Nachts aus einem Traum, der uns hoffnungsvoll macht. Der Atem geht flach in heißer Luft. Es war nur ein Traum – Es war nur ein Duft. … denn keiner wird ernsthaft glauben, dass heiße Luft ein Feuer entfacht.

 

Zuversicht

 

Wie golden noch der Sommer war, schon Sommersonnenwende. Jetzt beißt uns das gereifte Jahr die winterschweren Hände. … und fühln wir noch im Sommer das erste Frühlingsglühn. So ist es mit uns immer: Es will uns nichts vergehn. So wolln wir im Vorübergehn, mit Schnee und Sommerflimmer (und manchem kleinen Kummer) die nächsten Jahre gut bestehn.

 

 

 

 

 

Das auch nur auszugsweise Kopieren oder Abdrucken dieser Texte ist ausschließlich durch den Urheber Andreas Prautsch möglich. (§ 23 UrhG)